Wenn es uns nicht gut geht, beten wir meist um eine positive Wende. In finanzieller Bedrängnis brauchen wir mehr Geld – oder dass finanzielle Verpflichtungen erleichtert werden. In Krankheit erbitten wir Genesung oder Heilung. Feindet man uns an, wünschen wir uns ein Ende dieser Angriffe. Unsere Situation soll sich ändern, unsere Lasten sollen leicht werden oder verschwinden.
Manchmal öffnet die Bibel uns aber den Blick dafür, dass Gott noch mehr Möglichkeiten hat zu helfen. Er beendet die dürftige Lage manchmal nicht (gleich), segnet uns aber bereits in der dürftigen Lage.
Verheißung aus einem Davidspsalm
In diese Richtung leitet mich eine Verheißung aus Psalm 41,4. Nach der Übersetzung des „Münsterschwarzacher Psalters“ lautet sie: „Auf seinem Krankenlager stützt ihn der Herr, sein Krankenlager wandelst du völlig.“ Angeredet sind die, die auf Arme bzw. Schwache achten. Auf solches Mitgefühl reagiert Gott – unter anderem mit der Verheißung von Psalm 41,4.
Was tut Gott hier genau an jemandem, der krank das Bett hütet oder der vor lauter Krankheit nicht mehr aufstehen kann? Er stützt ihn während der Zeit, die er im Bett sein muss. Und er verändert dieses Krankenlager komplett. Die Elberfelder Bibel übersetzt die zweite Hälfte des Verses: „Sein ganzes Lager wandelst du um in seiner Krankheit.“ Und die Menge- Bibel: „Sein ganzes Krankenlager machst du ihm leicht.“
Genau hinschauen, dem Wortlaut etwas zutrauen
Schauen wir genau hin, was passiert! Wird der Kranke wieder gesund? Verändert sich die Krankheit in Richtung auf Heilung? So fassen es tatsächlich viele Bibelübersetzungen auf. Zürcher Bibel: „auf seinem Lager hebst du seine Krankheit auf.“ Das Buch: „Ja, du bringst seine Zeit im Krankenbett zum Ende!“ Oder noch freier: „Der Herr stärkt ihn, wenn er krank ist, und hilft ihm wieder auf“ (Neues Leben Bibel). Das allerdings sind keine genauen, wörtlichen Übersetzungen – an dieser Stelle selbst bei der Zürcher Bibel nicht, die sonst ja sehr zuverlässig ist. Das Mindeste, was man anerkennen müsste: Eine Heilung ist, wenn überhaupt, dann nur sehr zurückhaltend angedeutet, sie wäre undeutlich benannt. Und diese Ausdrucksweise sollte man nicht überdecken, nicht in eine bestimmte Richtung zuspitzen, während der Grundtext gar nicht so „spitz“ ist.
Eine biblsiche Ausdrucksweise sollte man nicht in eine bestimmte Richtung zuspitzen, während der Grundtext gar nicht so „spitz“ ist.
Dr. Ulrich Wendel
Wenn wir dem biblischen Text zutrauen, dass er so gemeint ist, wie er wörtlich da steht, müssen wir sagen: Nicht die Krankheit wird geändert. Der Kranke wird von Gott gestützt, unterstützt, gestärkt (so die Bandbreite des hebräischen Worts in Vers 4a), aber nicht eigentlich geheilt – das steht da nicht. Was sich ändert, ist das Krankenbett. Also der Ort, wo jemand in seiner Krankheit festgesetzt ist. Diese Änderung passiert „in“ seiner Krankheit. Nicht, nachdem sie vorbei ist, und nicht anstelle der Krankheit, sondern in ihr.
Was können wir erwarten?
Was könnte jemand, der krank ist, aufgrund dieser Verheißung erwarten?
- Stärkung von Gott erleben
- Die unmittelbare, manchmal hautnahe Umgebung (Bett!) ändert sich.
- Man erleidet eine Krankheit weiterhin (eine Zeitlang vielleicht), aber man ist „anders krank“.
- Gott segnet in dürftiger Lage, sein Segen ist nicht erst jenseits dieser Lage zu finden.
Man erleidet eine Krankheit weiterhin (eine Zeitlang vielleicht), aber man ist „anders krank“.
Daneben gibt es in der Bibel natürlich sehr viele Erfahrungen und sehr viele Verheißungen, dass Gott heilt. Und Jesus, der „die Mitte der Heiligen Schrift“ bildet, steht dafür, dass Krankheiten in seinem Namen geheilt werden. Wir sollten entschlossen auf diese Verheißungen zugehen.
Auf dem Hintergrund biblischer Fülle beten
Wir sollten dabei aber nicht übersehen, dass es neben diesen Heilungs-Verheißungen auch andere Versprechen in Gottes Wort gibt. Wenn wir auf dem Hintergrund der ganzen biblischen Fülle beten wollen, dann sollten wir unsere Erwartungen weit ausspannen. So weit, dass wir es für möglich halten:
- Gottes Kraft macht auch Kranke stark, während sie noch krank sind, sie kann mehr als die Krankheit wegfegen.
- Gottes Hilfe ist bereits da, wenn Notlagen noch andauern – diese Notlagen stellen sich dann aber anders dar.
- Gott lenkt seinen Segen mitten in eine dürftige Lage.
- In der Krankheit verwandelt Gott das ganze Krankenlager.
Wenn wir auf dem Hintergrund der ganzen biblischen Fülle beten wollen, dann sollten wir unsere Erwartungen weit ausspannen.
Dr. Ulrich Wendel
Wenn Gott so handelt, mögen wir noch Mangel erleiden – aber wir erleiden ihn anders: Erlöst. Gesegnet. Im vollen Fokus von Gottes Liebe.