Für alles dankbar sein – ist das von uns Jesusleuten verlangt? Einige Bibelstellen klingen so. Und das macht uns allen Mühe, denn wie kann man wirklich für alles dankbar sein? Auch für das Schlechte? Für Ungewissheit, schwere Krankheit, für Armut, für die bedrückende Situation, dass eigene Kinder oder enge Freunde nicht zum Glauben kommen? Was gäbe es da zu danken?
Entscheidender Unterschied
Neulich habe ich einen dieser „mühsamen“ Bibel-Sätze genauer gelesen. Ich kam zu Epheser 5,20: „Sagt Gott, dem Vater, allezeit Dank für alles im Namen unsers Herrn Jesus Christus!“ Das ist auf der einen Seite sehr weitgehend formuliert, es klingt wie eine Maximalforderung: nicht nur „in allem“ dankbar sein, sondern immer und für alles. Auf der anderen Seite gibt es aber einen Zusatz, den ich meist überlesen habe: „im Namen unseres Herrn Jesus Christus“. Auch andere entsprechende Aufforderungen haben so einen Verweis auf Jesus Christus (1. Thessalonicher 5,17-18; Kolosser 3,17b). Ich ahne, dass dies einen entscheidenden Unterschied macht.
Beim Bittgebet ist es ähnlich. Ich kann zwar um alles Mögliche bitten, und manches davon wird mir geschenkt, anderes jedoch nicht. Wenn ich aber im Namen von Jesus Christus bitte, verstärkt sich meine Bitte (der Herr der Welt stellt sich dahinter), allerdings verändert sich meine Bitte auch. Im Namen von Jesus werde ich nicht um alles Mögliche bitten können, sondern vorwiegend um das, was im Sinne von Jesus ist.
Jesus dazwischen stellen
Vielleicht ist es beim Dankgebet ähnlich. Den Dingen, die auf mich einströmen, könnte ich aus eigener Kraft begegnen. Dann finde ich manches dankenswert, anderes nicht. Oder aber ich stelle Jesus zwischen die Dinge und mich. Ich versuche, sie aus der Hand von Jesus zu nehmen. Ich kann mit ihm darüber sprechen, warum er mir dies oder jenes zutraut bzw. zumutet. Vielleicht lautet seine Antwort auch: Diese Last kommt gar nicht aus meiner Hand, sondern von jemand anderem. Ich habe sie ihm aber nicht aus der Hand geschlagen und so konnte sie dich erreichen. Nun kommt es darauf an, ihr in meinem Namen zu begegnen. Sie nicht allein zu tragen, sondern gemeinsam mit mir. Dankbar bist du dann nicht unmittelbar für diese Last, sondern für dieses „Zusammen mit mir.“
Mit Jesus zusammen danken
Es mag Situationen geben, wo ich auch unter diesem Vorzeichen kaum Dankbarkeit entwickeln kann. „Dank sagen im Namen von Jesus“ sähe dann vielleicht gerade so aus: Ich sage ihm, dass ich nicht danken kann, und bitte ihn, mit mir zusammen zu danken. Oder vielleicht auch stellvertretend für mich zu danken, so lange, bis mein Gebet einstimmen kann.
Ich bitte Jesus, mit mir zusammen zu danken, oder vielleicht auch stellvertretend für mich.
Einer ist gut
Allezeit Dank sagen für alles im Namen unseres Herrn Jesus Christus: Das heißt nicht, dass ich alles gut finde, was mir passiert. Es heißt vielmehr, mich an den einen Guten zu halten. An den, der alle Dinge zum Guten mitwirken lassen kann (das passiert vielleicht nicht „allezeit“, aber zur vorgesehenen Zeit). Mich eng an den guten Gott zu halten, zu dem ich im Namen unseres Herrn Jesus Christus Zugang habe.