Nur ein paar Mal bin ich – jeweils für einige Tage – in einem Kloster gewesen. Mit Interesse und wachsender Faszination habe ich an den Gebetszeiten teilgenommen, die mehrmals täglich stattfinden. Und aus der Faszination ist eine Sehnsucht geworden: Wie könnte man nur diesen heilsamen Rhythmus in seinen normalen Alltag hineinholen?
Tägliches Psalmgebet
Ein erster Anlauf dazu ist schon mehrere Jahrzehnte alt. In der benediktinischen Klostertradition betet man den gesamten Psalter innerhalb einer Woche durch. Jede Woche neu. So viele Psalmen am Tag schaffe ich unmöglich. Aber einen Psalm am Tag (oder bei längeren Psalmen einen Teil davon), das geht. Daraus ist mein persönlicher Gebetsplan entstanden, der außer den 150 Psalmen weitere Gebete des Alten und Neuen Testaments einschließt. Ich bete seit vielen Jahren nach diesem Plan. In die Bibelausgabe „Neues Leben. Die Bibel zum Beten“ ist dieser Plan integriert (www.scm-shop.de/neues-leben-die-bibel-zum-beten.html).
Aber ein morgendliches Psalmgebet beeinflusst den Tag eben von nur einem einzigen Punkt aus, dem Morgen. Ganz aktuell bin ich bei Instagram auf einen Kanal gestoßen, der helfen will, ein bisschen Kloster in den Alltag zu holen: www.instagram.com/monkmindsets/ Und ein Post hat genau das zusammengestellt, was ich suche: Sieben Elemente, die den Tag klösterlich strukturieren können, ohne dass man zur Nonne oder zum Mönch wird. Die Kanal-Macher haben auch eine entsprechende App entwickelt, auf die im Kanal hingewiesen wird.
Im Folgenden fasse ich (auf Deutsch) die Spuren zusammen, denen man folgen kann:
Sieben Möglichkeiten, klösterlich zu leben, wenn du einen normalen Beruf hast
1. Bete, bevor dein Arbeitstag losgeht.
2. Schenke deine Aufmerksamkeit jeweils einer einzigen Aufgabe
… statt mehrere Sachen anzufangen und mental fünf Tabs offenzuhaben.
Klösterliches Leben lehrt, sich bei der Arbeit zu fokussieren. Klapp also zu, was du gerade nicht brauchst. Leg dein Mobilgerät beiseite. Gibt der einen Aufgabe, die du vor dir hast, die Aufmerksamkeit, die sie verdient.
3. Lass deine Mittagspause wieder zu einer echten Mahlzeit werden.
Nebenbei am Schreibtisch zu essen ermöglicht keine echte Regeneration. Nimm dir die Pause, die du hast, selbst wenn sie kurz ist. Sag für dein Essen Dank. Speise ohne einen Bildschirm vor Augen. Wenn sich jemand zu dir setzt, lass dich auf ein Gespräch ein.
4. Lass zwischen den Dingen ein bisschen Abstand und Stille.
Greif nach einem Meeting nicht sofort zum Mobilgerät; schalte nicht sofort einen Podcast ein, wenn du deine Arbeit beendest. Schaffe dir stille Übergänge. Geh den Weg zum Auto ohne Kopfhörer. Setz dich zwischen zwei Meetings für ein stilles Gebet hin. Stille gibt dir den Raum, um all deine Gedanken vor Gott zu bringen.
5. Setz eine Zeit fest, an der du mit der Arbeit aufhörst.
Es wird immer noch eine weitere Nachricht geben, die du beantworten musst, oder irgendetwas, das vorbereitet werden will. Wenn du solange weitermachst, bis alles erledigt ist, kann deine Arbeit noch den ganzen Abend lang dauern. Klösterlicher Rhythmus setzt der Arbeit einen Anfang und ein Ende. Wenn nichts Wichtiges dagegenspricht, klapp deinen Laptop zu. Mach dir eine Notiz für das, was bis morgen warten kann.
6. Nimm dir für die Menschen um dich herum Zeit.
Du könntest den ganzen Tag mit anderen in einem Raum sein, ohne wirklich mit ihnen zu sprechen. Gemeinschaft entsteht jedoch durch regelmäßige, kleine Momente und Gesten der Aufmerksamkeit. Frag jemanden, wie sein Tag war, oder sag einfach „Hallo!“
7. Beschließe den Tag mit einer kurzen Reflexion.
Bevor du zu Bett gehst, nimmt dir ein paar Minuten Zeit mit Gott. Danke für etwas Gutes, das du erlebt hast. Achte darauf, wo es dir gelungen ist, zu lieben, und wo du etwas versäumt hast. Erbitte Vergebung und überlege, was du morgen anders manchen könntest.
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Ich bin gespannt, ob es mir gelingt, meinen Alltag um diese sieben Punkte herum zu gestalten.