Über das Beten können wir manchmal Gutes aus den Erfahrungen anderer lernen, auch aus Anekdoten. Eine solche Anekdote findet sich in der Biografie von Paul Deitenbeck („Eigentlich nichts Besonderes“, S. 132).
Vom Vater des Pfarrers Gerhard Bergmann (1914–1981) wird berichtet:
„In den Jahren der wirtschaftlichen Flaute geriet er mit seiner Selterswasser- Großhandlung in arge Bedrängnis. Es schien kein anderer Ausweg, als das Haus zu versteigern. In der Nacht, die diesem schmerzlichen Ereignis vorausging, konnte seine Frau kein Auge zu tun. Vater Bergmann aber lag daneben und schnarchte wie zu Zeiten der Hochkonjunktur. Als seine Frau ihn am Morgen deswegen zur Rede stellte, hob Vater Bergmann ein wenig hilflos die Schultern. ‚Ja, wat solln wie maken?‘, entschuldigte er sich. ‚Ich hab’s doch dem Herrn gesagt.‘ Der hat es ihnen erhalten.“
Manchmal ist es ein Zeichen von Vertrauen, für eine Sache einmal zu beten und sie dann nicht mehr oft im Gebet anzusprechen. Vielleicht ist es dies, was der Weisheitslehrer Jesus Sirach meint, wenn er schreibt: „Schwatze nicht in der Menge der Ältesten und wiederhole nicht Worte bei deinem Gebet!“ (Sirach 7,14).