Gebet für deine Stadt

Beten beginnt meist im ganz persönlichen Bereich. Aber es gewinnt dann schnell einen weiteren Horizont. Wenn Bittgebet Kreise zieht, dann ist einer dieser Kreise die Stadt, in der man lebt. Für mich persönlich ist es ein wichtiges Ansinnen, kontinuierlich für meine Stadt zu beten. Unsere Städte sind Zentren, in denen Kultur geschaffen und weiterentwickelt wird. Deshalb ist es so wichtig, dass wir zu betenden Kulturschaffenden werden – und niemand kann das besser tun als wir Christen.

Deshalb ist es so wichtig, dass wir zu betenden Kulturschaffenden werden.

Allerdings ist mir klar: Unser Gebet für unsere Städte ist zwar eine sehr wichtige und verheißungsvolle Investition, aber wir dürfen eine zweite Form nicht vergessen, von der die Bibel diesbezüglich spricht – und damit gehe ich kurz ein wenig über das Thema Gebet hinaus. Der folgende Bibelvers, der in diesem Kontext oft zitiert wird, zeigt die beiden Investitionsfelder sehr schön, auf die ich weiter unten noch zurückkommen werde:

„Und sucht den Frieden der Stadt, in die ich euch gefangen weggeführt habe, und betet für sie zum Herrn! Denn in ihrem Frieden werdet ihr Frieden haben“ (Jeremia 29,7).

Was ist das Beste für meine Stadt?

Ich liebe meine Stadt. Tatsächlich hatte ich kaum einmal in meinem Leben den Wunsch, an einem anderen Ort zu leben. Hier bin ich geboren, hier fühle ich mich Zuhause und hier trage ich eine Mitverantwortung. Wie ich oben erwähnt habe, drückt sich diese Verantwortung einerseits im Gebet aus, andererseits aber auch darin, dass ich mir Gedanke über meine Stadt mache und mich frage, was ich ganz praktisch dafür tun kann, dass es ihr und ihren Menschen gut geht: „Suchet der Stadt Bestes“ lautet der Auftrag in der Lutherbibel. Was also ist das Beste für meine Stadt? Wie kann ich den Frieden in ihr stärken? Das sind Fragen, die man sich auch im Hauskreis stellen darf. Womöglich führt die Auseinandersetzung damit zu kreativen Aktionen und ihr werdet plötzlich in eurer Stadt sichtbar: als Menschen, die Gutes für die Stadt tun.

Im Gebetshaus Freiburg nutzen wir die Aussage des Propheten Jeremia ebenfalls als Grundlage für unsere Fürbitte für unsere Stadt. Wer genauer hinschaut, dem fällt aber auf, dass es bei diesem Aufruf eigentlich um das Gebet für diejenigen Städte geht, in die die Juden damals zwangsweise deportiert wurden – ein Zustand, der wahrscheinlich auf keinen von uns zutrifft. Gilt das Wort dann überhaupt uns Christen von heute? Ja, denn andere Aussagen der Heiligen Schrift sprechen in Bezug auf das gemeinschaftliche Leben davon, dass wir für politische Führung und für die Verantwortungsträger in unserer Gesellschaft beten sollen. Wir sind alle aufgefordert zu segnen und nicht zu fluchen, unseren Nächsten zu lieben und Friedensstifter zu sein.

Was meine Stadt ganz besonders macht

Wenn es um Fürbitte für die eigene Stadt gehen soll, dann habe ich ein paar Tipps dazu: Es ist erstens hilfreich und zweitens inspirierend, wenn man mit Fakten über die Stadt ins Gebet einsteigt. Eine Zusammenfassung der Geschichte deiner Stadt, die vielleicht aus einem ganz bestimmten Grund an ausgerechnet dieser Position entstanden ist und die möglicherweise sogar mit einem konkreten Ziel gegründet wurde, macht das anschließende Gebet fassbarer und lebendiger. Außerdem kommt dir die Stadt, in der du jetzt lebst, dadurch näher und du kannst sie als den lebendigen Organismus verstehen, der sie in Wahrheit ist.

Du kannst deine Stadt als den lebendigen Organismus verstehen, der sie in Wahrheit ist.

Ein Beispiel: Meine Heimatstadt Freiburg ist nicht nur bekannt für ihren Sportclub, einen ganz besonderen Bundesligaverein, sondern auch für so manche Innovation, die von hier stammt. Mein Gebet ist es, dass Freiburg nicht nur in Bereichen wie der universitären Forschung, der Wissenschaft und des Fußballs eine Modellrolle spielt, sondern auf geistlichen Gebieten. Tatsächlich kann ich während mancher Dienstreise in andere Städte beobachten, dass wir Freiburger an einigen Punkten diesbezüglich schon ganz schön innovativ sind und sich beispielsweise in den Themenfelder der Einheit unter Christen und des Gebets in den letzten Jahrzehnten Erstaunliches getan hat. Diese Entwicklungen haben viel damit zu tun, dass Verantwortungsträger aus Kirche und Gesellschaft gemeinsam für unsere Stadt beten.

Es reicht mir nicht aus, dass Freiburg „Green City“ genannt wird – mein Ziel ist, dass meine Stadt als ein Ort bekannt wird, an dem Gott keine unbekannte Größe ist, sondern mitten im Zentrum der Gesellschaft steht. Dafür bete ich und dafür setze ich mich ein, denn das Erreichen dieses Zieles wäre das Beste für alle Menschen, die hier wohnen – und für ihr Miteinander.

Ohne Stadt-Gebet fehlt etwas

Ich möchte dich deshalb ermutigen, mit für deine Stadt zu beten. Auch gemeinsam mit anderen in deiner Kleingruppe bzw. im Hauskreis. Euer Gebet für sie ist bedeutsam und wird Auswirkungen haben. Im Gebet dürft ihr aktiv an ihrer weiteren Geschichte mitwirken. Ohne das Gebet für unsere Städte fehlt in unseren Hauskreisen und Gemeinden etwas. Es reicht nicht aus, uns über Werteverluste, soziale Ungerechtigkeit und politische Extreme nur aufzuregen. Vielmehr sollten wir zu Menschen werden, die unsere Städte positiv und mit den Werten des Evangeliums prägen: durch positives Gebet und durch praktische, positive Aktionen.

Rainer Harter

Gebetshausgründer und Autor

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