Vor etwa zehn Jahren stieg ein Gedanke in meinem Herzen auf, der mich seither nie mehr losgelassen hat. Mir wurde mit einem Mal klar: Gebet und Mission gehören zusammen. (Das Wort „Mission“ schließt hier für mich auch „Evangelisation“ ein.) Heute weiß ich, dass diese beiden Aufgaben zu den maßgeblichen Kennzeichen von uns Christen gehören sollten, die deshalb stark im Vordergrund unserer Nachfolge stehen müssten: Gebet und Mission. Ohne Gebet fehlt der Mission die entscheidende Kraft. Umgekehrt ist es so, dass ohne Mission unser Beten um das Kommen des Reiches Gottes nicht in Erfüllung gehen könnte – wir brauchen einander. Auf beide Bereiche sollten wir unser Augenmerk richten.
Die Realität in unserer Zeit sieht noch nicht ganz so aus: Sowohl „Beter“ als auch „Missionare“ gehören in der deutschen Gemeindelandschaft eher zu den exotischen Schafen in Gottes Herde. Sie unterstehen manchmal sogar dem Verdacht, sich in ein Thema verrannt zu haben. Gleichzeitig werden sie jedoch immer dann als Zuständige herangezogen, wenn es etwas zu tun gibt, das mit Gebet oder Mission zu tun hat. Für die meisten Christen jedoch sind beide Tätigkeiten eher eine Herausforderung und nicht besonders attraktiv.
Netzwerke bilden sich
Mit einem dieser Themen beschäftigen wir uns in dieser Serie seit einiger Zeit: dem Gebet. Mission ist ebenso wichtig wie Gebet. Sie fußt auf einer der klarsten und für die gesamte Lebensdauer der Kirche gültigen Aussagen von Jesus, dem sogenannten „Missionsbefehl“, den wir beispielsweise in Markus 16,15 finden: „Und er sprach zu ihnen: Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung!“
Gebet und Mission gehören zusammen. Ich beobachte seit Längerem, dass beide in Deutschland „im Kommen“ sind, und das freut mich riesig! Das sehe ich nicht nur an der wachsenden Anzahl der Gebetshäuser und -initiativen, sondern auch am Zusammenkommen ganzer Netzwerke in Deutschland.
Betende im Evangelisationsteam
Vor längerer Zeit fand in Freiburg eine Großevangelisation statt. Wer wie ich ein „alter Hase“ ist, der denkt beim Wort „Evangelisation“ eher an so manche unerfüllten Erwartungen und an wenig fruchtbare Versuche, öffentlich und mit Erfolg das Evangelium zu verkündigen. Aber dieses Mal war etwas anders und die Frucht der Veranstaltungsreihe so groß, wie ich es noch nie gesehen habe: Es gab ungewöhnlich viele dokumentierte Entscheidungen für Jesus. Die neuen Christen wurden direkt in Jüngerschaftsgruppen verschiedener Gemeinden vermittelt, um sicherzustellen, dass sie in Beziehung treten und im Glauben wachsen können.
Anders war dieses Mal aber auch, dass die vier Tage der Evangelisation, die seit Monaten vorbereitet worden waren, kontinuierlich im Gebet getragen wurden. Wie selbstverständlich gehörten zum Team der Evangelisation viele Betende dazu. Das Ergebnis zeigt: Mission wird umso stärker, je mehr es im Hintergrund Beterinnen und Beter gibt, die nicht nur als untergeordnete „Fachabteilung Gebet“ angesehen werden, sondern Teil des gesamten Teams sind – und dies auf Augenhöhe. Mein Herz ist voller Freude über diese Entwicklung.
Mission wird umso stärker, je mehr es im Hintergrund Beterinnen und Beter gibt, die Teil des gesamten Teams sind, und zwar auf Augenhöhe.
Rainer Harter
Diesen Zusammenhang kann man auch in der eigenen Kleingruppe zur Geltung bringen. Jeder Hauskreis besteht aus einer Gruppe von Menschen, die in sich die Kraft zur Veränderung der Welt tragen. Diese Kraft ist ihr Glaube. Kleingruppen sollten darauf bedacht sein, dass der Glaube der Teilnehmenden stetig wachsen kann. Dazu braucht er kontinuierliches Training. Es ist wie beim Aufbau von Muskeln: einmaliges Training bringt nichts, zu seltenes Training ebenfalls nicht.
Betend begleiten
Eine Möglichkeit, um im Hauskreis die „Glaubensmuskeln“ zu trainieren, ist das Gebet für Missionare. Oft genug sind diese Menschen in fernen Ländern unterwegs, wo sie mit kulturellen, sprachlichen und finanziellen Herausforderungen zu kämpfen haben. Sie brauchen unbedingt betende Begleitung, die ihnen geistlich Rückendeckung gibt und betend an ihrer Seite steht. Der große Apostel und Missionar Paulus hat die Bedeutung einer solchen Zusammenarbeit schon vor zweitausend Jahren erkannt. Der Gemeinde in Kolossä schrieb er beispielsweise:
„Betet (dabei) auch für uns, dass Gott uns eine Tür öffnet für seine Botschaft“ (Kolosser 4,3).
Missionare brauchen unbedingt betende Begleitung, die ihnen geistlich Rückendeckung gibt und betend an ihrer Seite steht.
Rainer Harter
Ich möchte jedem ans Herz legen, sich mit Menschen, die in Mission und Evangelisation tätig sind, zu beschäftigen und für sie zu beten. Vielleicht gibt es ja sogar schon Menschen in eurem Hauskreis, deren Herzen für die Verkündigung des Evangeliums schlägt. Wenn nicht, dann ladet Missionare bzw. Evangelisten in euren Hauskreis ein – virtuell oder in Präsenz, je nach Entfernung. Lasst euch von ihnen ihre Arbeit beschreiben und fragt sie nach Herausforderungen und Nöten. Dann betet für sie. Ihr erinnert euch vielleicht noch an einen früheren Beitrag über „Segensgebete“, den könnt ihr noch einmal durchlesen und gleich praktisch anwenden. Begleitet diese Missionare über die nächsten Monate immer wieder im Gebet. Lasst euch updaten, was gerade im Dienst passiert und an welchen Stellen es Wunder und Gebetserhörungen braucht – und gegeben hat! Lasst die Fürbitte für diese Personen zu einem festen Bestandteil eurer Treffen werden und erlebt, wie euer Gebet positive Veränderungen schaffen. Die Berichte der Missionare können euch immer wieder inspirieren. Vielleicht stellt sich mit der Zeit heraus, dass in eurer Mitte Personen sitzen, die ihre missionarische Gabe entdecken. Vielleicht kann euer Hauskreis einen kleinen, aber wichtigen Teil dazu beitragen, dass sich für diejenigen, die ihr persönlich betend unterstützt, eine „Tür für Gottes Botschaft öffnet“.