Ein Segensgebet ist etwas Besonderes und gerade der Hauskreis wäre ein ausgezeichneter Ort, an dem es einen festen Platz haben könnte. Ich kenne allerdings kaum Hauskreise, wo es tatsächlich zu einem festen Bestandteil des gemeinsamen Gebets gehört – schade! Oft beschränkt sich das gesprochene Gebet hingegen auf eine ganz bestimmte Art des Gebets, die ich einmal etwas plakativ (aber nicht negativ gemeint) „Feuerwehrgebet“ nennen möchte: Wenn es im Leben eines oder mehrerer Teilnehmer heftig brennt (und wann tut es das einmal nicht?), bittet er seine Hauskreisfreunde um Gebet. Das ist genau richtig, denn in der gegenseitigen Fürbitte tragen und unterstützen wir uns gegenseitig.
Aber gerade im Kontext eines Hauskreises ist es schön, wenn wir uns auch Zeit für andere Gebetsformen nehmen – beispielsweise eben das Segensgebet, durch das wir anderen Menschen Gottes Güte vermitteln.
Gott ist der Segensspender
Mit einem Segensgebet reagieren wir nicht nur auf Nöte, sondern werden kreativ und agieren. Gemeinsam mit Gott, dem eigentlichen Segensspender, wirken wir durch den Segen positiv auf die Empfangenden und ihr Leben ein. Wir sprechen betend Worte über ihm oder ihr aus, die positiv, freisetzend, unterstützend und tröstend sind. Allerdings meine ich damit nicht, dass wir einfach irgendetwas Nettes sagen. Es geht vielmehr darum, dass wir uns bewusst machen, mit welchen Worten Gott Menschen segnet, und diese Worte dann – vielleicht etwas anders formuliert – über dem anderen aussprechen.
Wir machen uns bewusst, mit welchen Worten Gott Menschen segnet, und sprechen diese Worte dann – vielleicht etwas anders formuliert – über dem anderen aus.
Rainer Harter
Ein Beispiel: Du kennst wahrscheinlich den sogenannten Aaronitischen Segen aus 4. Mose 6 ab Vers 24: „Der Herr segne dich und behüte dich! Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig! Der Herr erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden!“
Bibel-Segen noch heute verwenden?
Jetzt könnten wir fragen, ob wir dieses Segensgebet aus der Bibel nehmen und über einem Hauskreismitglied beten können, das ursprünglich über einen ganz anderen Menschen oder eine Gruppe ausgesprochen wurde. Lasst uns mal genauer hinschauen: Interessant ist, dass Gott ausdrücklich vor die Segensworte eine Anweisung zum Segnen stellt und abschließend betont, dass er selbst die Empfänger segnen wird (4. Mose 6,23.27): „So sollt ihr die Söhne Israel segnen! Sprecht zu ihnen: … Und so sollen sie meinen Namen auf die Söhne Israel legen, und ich werde sie segnen“.
Um den kleinen theologischen Exkurs abzuschließen: Ich glaube, wir dürfen diesen Segen, der explizit Aaron und seinen Nachkommen als Priester gegeben wurde und den Israeliten galt, ebenfalls übereinander aussprechen – denn das Neue Testament spricht deutlich davon, dass wir als Gläubige durch Jesus „zu einem Königtum, zu Priestern seinem Gott und Vater“ gemacht wurden (Offenbarung 1,6) und dass wir in den „Ölbaum Israel“ eingepfropft sind (Römer 11). Auch auf andere Segensgebete der Bibel trifft zu, dass sie nicht nur dem damaligen Empfänger gelten, sondern auch uns Christen der Gegenwart – einige davon habe ich unten aufgeführt.
Keine magische Handlung
Natürlich kann ein Segen auch frei formuliert werden. Allerdings: Ein Segen ist kein Wunschkonzert und auch keine magische Handlung, sondern ein vermittelnder Akt der Zuneigung Gottes, dessen Inhalt auf Gottes Wesen und Wort basiert.
Zu segnen heißt, für den anderen zum fassbaren Vermittler der Güte Gottes zu werden.
Rainer Harter
Ab und zu eine Segensrunde im Hauskreis zu haben ist nicht nur für das Leben des Einzelnen ein Gewinn, es stärkt zudem die Beziehungen untereinander.
Beispiele und ein Tipp
Einige Beispiele für Segensgebete zum Nachlesen und Anwenden: 5Mo 31,6; Ps 20,2-6; 1Kön 8,57; Jer 17,7-8; 2Thess 2,16-17; 2Kor 13,13; Röm 15,13; Eph 6,23-24; 1Thess 3,22-23; 1Thess 5,23-24
Tipp: Man kann einander in Zweiergruppen segnen oder aber in der Runde, sodass jede/r Empfangende/r und Segnende/r zugleich ist. So können alle die Segensworte hören, die jeweils gesprochen werden. Die Hauskreisleitung kann auch konkret eine Segensrunde ankündigen und so den Teilnehmenden die Möglichkeit geben, sich darauf vorzubereiten.