Gebet für verfolgte Christen

Vor einiger Zeit war ich in Pakistan, wo ich Freunde in verschiedenen Städten besucht habe und ihr Alltagsleben in diesem Land beobachten und eine Weile daran teilhaben durfte. Die Städte Pakistans erlebte ich als bunt, laut, riesig und voll. Wie überall auf der Welt findet man auch dort großzügige, warmherzige und überaus gastfreundliche Menschen. Zugleich belegt die islamische Republik im Ranking des aktuellen Weltverfolgungsindex den achten Platz und liegt damit vor Ländern wie Afghanistan, Saudi-Arabien oder China. In Pakistan als Christ zu leben ist eine ganz andere Nummer als in unserem Land oder einem anderen der Länder Westeuropas. Ich bin berührt vom Leben der Christen, die ich dort getroffen habe, berührt von ihrer Hingabe und ihrer Liebe zu Jesus und den Menschen. Unter ihnen gibt es auch einige, die ganz unmittelbar den Hass gegenüber den Nachfolgern von Jesus erfahren haben, der in einigen Regionen Ausmaße angenommen hat, die uns in Deutschland völlig fremd sind.

Lobpreis in unsicherem Rahmen

Auf dieser Reise wurde mir unter anderem deutlich, wie beispielsweise die Texte weltbekannter Lobpreislieder je nach Lebenskontext eine ganz andere Aussagekraft und Bedeutung haben können. In Ländern, in denen es Menschen ihr Leben kosten kann, wenn sie Jesus nachfolgen, haben Aussagen wie: „Ich lege mein Leben nieder“ eine sehr konkrete und wahrhaft existenzielle Bedeutung, während sie bei uns eher metaphorisch bleiben. Selbst dann, wenn wir sie ernst meinen, bringen wir sie meist aus einer komfortablen Situation der Freiheit heraus zum Ausdruck, die für uns ganz selbstverständlich ist. Wieder einmal musste ich denken, dass eine wirkliche Auseinandersetzung und Identifikation mit den Texten, die ich im Gebetshaus singe, bedeutsam ist, um nicht einfach nur große Worte zu machen, die unreflektiert bleiben.

Unbekannte Helden

Die Glaubensgeschwister in Ländern, in denen sie um ihres Glaubens willen benachteiligt, unterdrückt, verfolgt, verhaftet und sogar getötet werden, stellen in meinen Augen eine große Gruppe von unbekannten Helden dar, von denen wir vieles lernen können. Doch es passiert leicht, dass sie uns nicht in den Sinn kommen, weil wir mit unseren eigenen Herausforderungen zu kämpfen haben und wir nicht direkt mit ihnen verbunden sind. Von ihrem Kampf um ihr geistliches und körperliches Überleben bekommen wir wenig mit, denn davon sprechen auch unsere Medien kaum. Aber Gott tut es.

Von ihrem Kampf um ihr geistliches und körperliches Überleben bekommen wir wenig mit, denn davon sprechen auch unsere Medien kaum. Aber Gott tut es.

Wer in seiner digitalen Bibel die Suchfunktion bemüht, kommt ins Staunen, wenn er die Ergebnisse sieht, die im Neuen Testament auf Suchbegriffe wie „Leid“ oder „Verfolgung“ ausgegeben werden.

Die Frage, was wir für unsere leidenden Geschwister tun können, wird von den Betroffenen in der Regel mit den Worten „Betet für uns“ beantwortet. Ihnen ist nämlich ganz bewusst, dass nicht materielle Dinge das Wichtigste sind, sondern der Beistand, Schutz und die Nähe von Jesus. Deshalb möchte ich anregen, dass wir uns ab und zu dem Gebet für sie widmen – und das gerade auch in der Kleingruppe bzw. dem Hauskreis. Im Folgenden möchte ich ein paar Anregungen dazu geben.

Die Frage, was wir für unsere leidenden Geschwister tun können, wird von den Betroffenen in der Regel mit den Worten „Betet für uns“ beantwortet.

Gezielt planen

Um dem Anliegen einen passenden Raum zu geben, ist es hilfreich, etwa einmal im Monat eine Gebetszeit für leidende oder verfolgte Christen zu reservieren. Damit jeder im Hauskreis aktiv mit in die Beschäftigung mit diesem Teil der weltweiten Kirche hineingenommen wird, kann man beispielsweise die Verantwortung für die Vorbereitung und Leitung einer solchen Gebetszeit reihum auf alle Teilnehmer verteilen. Auf diese Weise gewinnt dieses wichtige Gebetsanliegen auf ganz natürliche Weise eine Verankerung im Herzen der Teilnehmer des Hauskreises. Eine solche Gewohnheit hilft außerdem dabei, sich nicht nur mit den persönlichen Anliegen zu beschäftigen, sondern sich gemeinsam über den eigenen Tellerrand hinaus um andere zu kümmern. Das entspricht dem Leitsatz fürs Gebet, den ich so sehr schätze: „Wir beten, weil wir lieben“.

Infos selbst recherchieren

Wer jeweils an der Reihe ist, die entsprechende Gebetszeit zu leiten, sollte sich im Vorfeld informieren, damit konkrete Anliegen für reale Personen oder Gruppen formuliert werden können. Ein zu weit gespannter Bogen a la „wir beten für alle verfolgten Christen auf der Welt“ verhindert eine echte Identifikation und reicht dazu weit über den eigenen Glauben hinaus. Am besten bezieht man Informationen für das Gebets aus seriösen Quellen wie den etablierten christlichen Werken, die sich dem Thema der Unterstützung verfolgter und Not leidender Christen gewidmet haben. Meist reicht eine Anfrage per Mail oder ein Blick auf deren Webseite.

Persönlichen Kontakt suchen

Wenn ein Hauskreis noch konkreter werden möchte, kann er beispielsweise eine Familie von Christen „adoptieren“, deren Leben vom Hauskreis eine Weile betend begleitet wird. Vielleicht geht das sogar im persönlichen Austausch mit den Betreffenden, wobei dies wegen der Gefahr von Repressionen für sie nicht immer möglich ist. Je spezifischer die Informationen sind, desto leichter lässt sich beobachten, wie durch das Gebet des Hauskreise Situationen ganz fassbar verändert und wie Menschen dadurch gesegnet werden.

Eine bereichernde Idee ist es auch, einmal einen ganzen Abend dem Thema zu widmen und einen direkt betroffenen Menschen einzuladen, von seinen Erfahrungen zu berichten. In vielen Flüchtlingsunterkünften findet man Christen, die wegen ihres Glaubens aus ihrem Heimatland fliehen musste und auch in immer mehr Gemeinden sind sie anzutreffen. Es ist nicht schwer, mit ihnen in Kontakt zu treten.

Nutzen in beide Richtungen

Das Gebet für leidende oder verfolgte Geschwister ist zuallererst eine echte Hilfe und Unterstützung für sie. Zugleich aber profitiert auch der Hauskreis bzw. alle, die persönlich in dieser Weise beten. Er kann durch diese Art von Hingabe in seiner Gruppenzusammengehörigkeit wachsen, weil man gemeinsam anderen dient. Das Verständnis für das Leben als Christ in anderen Ländern und Kulturen nimmt zu und das Bewusstsein für die weltweite Verbindung der christlichen Familie wird größer.

Rainer Harter

Gebetshausgründer und Autor

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